Ein Kleinbasler will die Bundesliga erobern

Der Kleinbasler Miloš Veljkovic will unter dem neuen Trainer durchstarten. Der Kleinbasler Miloš Veljkovic will unter dem neuen Trainer durchstarten. Foto: nordphoto / Ewert

Fussball-Profi Miloš Veljkovic ist drauf und dran sich bei Werder Bremen in der Bundesliga durchzusetzen.    
Des einen Leid ist des anderen Freud. Ein Sprichwort, das prima zu Miloš Veljkovics bisherige Fussballer-Karriere passt. Warum das so ist, zeigt der Weg, den das Abwehrtalent in diesem schnelllebigen Business ging. Der serbisch-schweizerische Doppelbürger durchlief nach seinem frühen Wechsel vom FC Basel zu Tottenham Hotspur alle Juniorenstufen beim englischen Top-Club. André Villas-Boas, der damalige Cheftrainer der Spurs, musste im Winter 2013 nach einer schwachen Hinrunde seine Sachen packen. U21-Coach Tim Sherwood übernahm für den Portugiesen und erinnerte sich an seinen spielstarken Defensivallrounder, den er kurz vor seiner Beförderung zum Captain ernannt hatte. Für den Durchbruch in der Premier League hat es aus verschiedenen Gründen nicht gereicht. Verletzungen, Wechsel auf Leihbasis in die zweite englische Liga und schliesslich die Entlassung von Sherwood.

Von Verletzung gestoppt
Doch der Förderer von Veljkovic verhalf dem Kleinbasler zum Debüt in einer der beste Ligen der Welt und letztlich durch das vielbeachtete Schaufenster Premier League auch zum Wechsel in die Bundesliga zu Werder Bremen. Den Hansestädtern sind die Auftritte des heute 21-Jährigen nicht verborgen geblieben. Im vergangenen Winter holte der mittlerweile geschasste Sportdirektor Thomas Eichin den gebürtigen Basler für etwas mehr als 300'000 Euro an die Weser. Unterdessen mit Serbien U19-Europa- und U20-Weltmeister, sollte sich der Perspektivspieler erstmal an das neue Umfeld gewöhnen.

Die Akklimatisation beim deutschen Traditionsverein verlief derart gut, dass Trainer Viktor Skripnik den ehemaligen FCB-Junior Anfang März - auch gezwungen durch Engpässe in der Abwehr - ins Kader für das Spiel gegen Bayer Leverkusen berief. Zwei Teileinsätze und ein Spiel in der Startelf gegen den grossen FC Bayern München in der mit 75'000 Zuschauern gefüllten Allianz-Arena. So las sich die Bilanz von Veljkovics erster Bundesliga-Halbsaison. Dass es nicht zu mehr Einsätzen reichte, war einem Zehenbruch geschuldet, der den Abwehrspieler für mehrere Wochen ausser Gefecht setzte. «Es lief richtig gut. Die Verletzung tat in dieser Situation natürlich besonders weh», so Veljkovic.

Neuer Trainer, neues Glück
Nachdem die gebrochene Zehe ausgeheilt war, musste sich der Wiedergenesene hintenanstellen. Werder befand sich in akuter Abstiegsgefahr und so war es wenig verwunderlich, dass Skripnik in dieser misslichen Lage auf Erfahrung setzte. Als «lehrreich» bezeichnet Veljkovic diese schwierige Zeit. Mal bei der ersten Mannschaft, immer häufiger in der drittklassigen U23 bei Trainer Alexander Nouri. Eine Ausleihe stand für die neue Saison zur Debatte, doch der Kleinbasler legte sein Veto ein. „Ich wollte mich durchbeissen». Der nötige Biss bewies Veljkovic in der Folge und auch das Glück war ihm wieder hold. Nach einem schwachen Saisonstart trennten sich die Bremer Mitte September von Skripnik und gaben U23-Coach Nouri eine Chance, die er zu nutzen wusste – auch dank Miloš Veljkovic. Denn fortan setzte Nouri auf die Dienste seines Abwehrchefs aus der U23, von dessen Spielauslösung und -verständnis er besonders angetan ist. «Ich habe die Spieler ausgewählt, die ich kenne», erklärt Nouri seine Personalauswahl gegenüber deutschen Medien.

Für Veljkovic entwickelt sich das Leid des entlassenen Trainers Skripnik zu seinem Glück. Acht Einsätze verbucht er in der aktuellen Saison für Werder, vier davon in der Startelf. «Ich bin glücklich darüber, wie es momentan läuft, aber ich weiss, dass ich mir die Einsatzzeit mit guten Leistungen im Training verdienen und mich weiter verbessern muss», sagt Veljkovic, der sich mittlerweile in Stadt und Mannschaft gut eingelebt hat und bei genügend Freizeit gerne zurück ins Kleinbasel zu Freundin und Familie reist. Ein Platz in Nouris Team beim nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Köln wäre ein weiterer Schritt in Richtung Durchbruch. Dass sich Veljkovic Hoffnungen machen darf, dass dieser im Norden Deutschlands gelingt, beweist das Vertrauen, welches ihm der Trainer trotz Rang 14 schenkt. 

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